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NEUIGKEITEN/AKTUELLES EINZELANSICHT

SO WAR: CIRCUS FLIC FLAC (PREMIERE), 21.12.2017, NÜRNBERG

Die Masterfrage, ob denn das diesjährige Weihnachtsprogramm des Circus Flic Flac mit dem Vorjahr in Nürnberg Schritt halten kann ist wie immer obsolet. Das Programm ist einfach anders, ohne die Shows vom vorherigen Jahreswechsel 2016/2017 zu kopieren. Dafür sorgen einige Verbesserungen beim Zelt, Änderungen im Programmablauf und in der Spannungskurve. Fazit: Das neue Programm bietet noch mehr bewundernswerte Artistik, ist angenehm gestrafft und vor allem die Ästhetik kommt nicht zu kurz.
SO WAR: CIRCUS FLIC FLAC (PREMIERE), 21.12.2017, NÜRNBERG

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Die erste Programmhälfte bis zur Pause gehört mehr der halsbrecherischer Artistik, sei es durch Balancearbeit hoch oben in der Circuskuppel oder durch motorisierte Stunts mit Cross- oder Trialmotorräder. Nach der Pause steht viel Ästhetik und Humor im Vordergrund. Umbaupausen gibt es praktisch kaum noch, alles geht Schlag auf Schlag...

Überraschung: Die Manege ist nicht mehr länglich, sondern kreisrund und alle Zuschauer sitzen noch viel näher am Geschehen. Es gibt dieses Jahr keinerlei Sichtbehinderung oder ungünstige Plätze. Dafür sorgt das neue Zelt, und das ohne dass weniger Zuschauer pro Vorstellung Platz finden. Auf ein grobes Motto, einen roten Faden als Oberthema wie in vergangenen Jahren verzichtet man, dafür stehen die durchweg hochklassigen Artisten ganz im Vordergrund. Ebenso neu: Auf Haltesicherungen speziell bei Hochseil- und Luftakrobatik verzichtete man. Nicht etwa um die Sicherheit der Profis zu erhöhen, dies geschah auf deren eigenen Wunsch: Man könne sich dann viel besser konzentrieren. Das Nervenkostüm des Zuschauers sollte also schon gefestigt sein, wenn man sich Flic Flac anschaut. Hier ist alles echt, keine Computeranimation betrügt das Gesehene und neben die Sorge um die Artisten weicht allmählich der Bewunderung, wieviele Übungsstunden und hartes Training für so einem Abend nötig sind. In einer Zeit, in der durch Extremsportarten und Action-Fernsehen die Messlatte für wirklich Spektakuläres immer höher geschraubt wird, kann Flic Flac locker mithalten.

Das geht schon bei der ersten Vorführung der ADRENALIN CREW los mit dem Todesrad. Vor allem, wenn die Jungs aus Kolumbien auf den innen und außen begehbaren Ringen mal locker oben das Seilhüpfen anfangen, oder wenn sich der Exzenter besonders schnell dreht, beim Abstieg einige Meter beim Hüpfen scheinbar schwerelos mitfallen und dann sicher wieder aufsetzen.

VICTOR SHAINOHA, der Weißrusse mit dem blonden Iro weiß um seine Wirkung auf Frauen, wenn er an den Strapaten, den beiden Bändern, hoch gezogen wird und mit durchtrainiertem Körper sonst ungesichert perfekt getimte Figuren zieht. Das DUO EXXTREM, Mira und Mehmed, arbeiten ebenso mit Strapaten, aber zu zweit. Perfekt aufeinander abgestimmt turnen sie durch die Lüfte, und auch wenn (viel) Wasser dazu kommt, sitzt jeder Griff. Wenn manche Ehe doch auch so auf gegenseitliches Verlassen sein können basieren würde wie ihre Show!

Die ADRENALIN CREW hat dann als zweite Show auch noch Hochseil zu bieten. Das ist nicht einfach Slackline etwas höher mit Balancestangen. Wenn sie dann ihre menschliche Pyramide aufgebaut haben und dreistöckig über das Hochseil spazieren ist es mucksmäuschenstill im Rund. Unglaublich, diese Konzentration! Ohne jegliche Sicherung! Haben die einen Notfallplan für ein Mißgeschick? Das Quartett WILD! aus der Ukraine zeigt dann, was man mit Muskelkraft und Balance am Boden so alles fertig bringt. Genauso wie JENNI und DANIIL, die im (echten) Regen balancierend auf dem Boden und in der Luft eine unglaublich ästhetische Mischung aus Balett und Äquilibristik aufs Parkett legen. Zum weinen schön! Genauso wie das DUO TURKEEV, die mit den Strapaten das Auf und Ab in der Liebe ästhetisch darstellen.

DENIS IGNATOV braucht als Solokünstler nur Metalstäbe. Ob zum Kubus zusammen gesetzt oder andere geometrische Formen, er jongliert traumhaft sicher und vor allem schnell. Zusammen mit perfekt inszeniertem Stroboskop-Licht entstehen durch die Trägheit des menschlichen Auges ganz neue Formen. Viel zu schnell, um heraus zu finden wie er das macht. Und vor allem, perfekt! Kein Schnitzer trübt die perfekte Darstellung. SANDEEP VITHOBA KALE braucht auch nur einen Baumstumpf für seine Mallakhamba-Show. Das ist in Indien Volkssport, eine Art Pole-Dance, aber mit viel Geschick und Muskelkraft. Unbedingt anschauen! JENIA braucht auch nur einen großen Ring, Rhönrad auf einem Bein quasi, einmal mehr perfekt beherrscht einer sein Gerät.

Liebe Damen! Ihr macht doch gerne Yoga, oder? Seht Euch ANASTASIYA MAZUR aus der Ukraine an, sie hat es auf dem Weg zum sagenumwobenen Gummimenschen schon bis an die Weltspitze gebracht. Nur soviel: Ihre ruhigen aber optisch heftigen Verrenkungen widersprechen jeder anatomischen Regel, wonach sich Gliedmaßen nur bis zu einem bestimmten Punkt dehnen lassen. Diese Grenze scheint die Dame schon längst überschritten zu haben.

Flic Flac und Zweirad-Motorengeruch gehören zusammen. Und die Sprünge von Motocross-Maschinen auch. Dieses Jahr aber wurde die Sprungrampe direkt in die Tribüne integriert. Die Maschinen kommen aus einem kleinen Treppenaufgang und springen halsbrecherisch aber traumhaft locker über die Manege. Die MAD FLYING BIKES-Truppe ist wohl der Höhepunkt an Risiko und Dramatik. Doch es geht auch langsam. ROMAIN CHALIER zeigt, wie sich der Trialsport mit den leichten aber kraftvollen Motorräder in den letzten Jahren entwickelt hat. Mal eben mit kurzem Anlauf über eine kleine Rampe nach einem Salto punktgenau auf dem Autodach landen: Für ihn kein Problem. Die Manege verläßt er dann standesgemäß. Über die steile Treppe mitten durchs Publikum. Faszinierend!

Haben wir noch jemand vergessen? Zwei werden jedem ans Herz wachsen. Der Eine: JUSTIN CASE ist Australier und fährt Fahrrad. Soviel sei gesagt. Das Fahrrad kann winzig sein, oder Normalgröße. Hierbei steckt er während des Fahrens gerne auch mal Lenker und Sattel um oder fährt auf einem Rad weiter und holt sich sein verloren gegangenes Vorderrad mal schnell bei der nächste Runde wieder ein. Sein Humor ist überzeugend, die Gags sitzen, und man wünsche sich diese Lockerheit von so manchem Stadtradler in der Noris. Der Andere: PATRICK LEMOINE ist Kindskopf, meisterhafter Jongleur und sein Humor als Comedian ist staubtrocken. Genau die richtige Mischung, um auch dem größten Aufsprecher im Büro alt aussehen zu lassen. Sein Charme ist umwerfend und der französische Akzent entwaffnend komisch. Ein Gesamtkunstwerk!

Zusammenfassend kann gesagt werden: Auch die diesjährige Flic Flac Show ist wieder perfekt, auch ohne Motorräder in der Kugel, dafür diesmal mit mehr Ästhetik und Emotionen, ohne dass das Spektakel zu kurz käme.

Unbedingt anschauen, bis zum 14. Januar laufen die Vorstellungen!

Karten: https://flicflac.de/nuernberg/#tickets