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BAD RELIGION- INTERVIEW

Gäbe es einen Nobelpreis in der Kategorie Punkrock - Bad Religion hätten ihn längst verdient. Die Jungs aus Los Angeles feiern dieses Jahr ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum und gehören damit wohl zu den dienstältesten Punkrockern des Planeten. Ende September erschien mit „The Dissent Of Man“ das sage und schreibe 15.Studioalbum der kalifornischen Drei-Akkord-Dinos.
BAD RELIGION- INTERVIEW

30 Jahre Punkrock und kein bisschen leise. Kritiker warten schon seit Jahren vergeblich auf die erste Ballade von Bad Religion. Eine Band, die sich und ihren Fans über all die Jahre treu geblieben ist, wie man es sonst nur von peinlichen Heavy Metal- Bands kennt. Sänger Greg Gaffin erinnert sich noch gut an das erste Konzert der Band im Jahr 1979 in einem Lagerhaus im kalifornischen Pomona das gleichzeitig auch der erste Gig von Social Distortion war. Die Jahre danach galten Bad Religion als Grünschnäbel der Szene.
„Wir schauten auf zu den älteren Bands in Los Angeles, wie zum Beispiel den Circle Jerks, bei denen unser heutiger Gitarrist Greg Hetson spielte, Black Flag oder The Germs. Als wir begannen, waren einige dieser Bands allerdings nicht so freundlich zu uns, wie wir uns das erhofft hatten. Die  wollten nicht mit uns auf der Bühne stehen! Nur die Circle Jerks haben sich um uns gekümmert und ließen uns als Supportband auftreten.“ Inzwischen hat sich die Situation komplett geändert. Bad Religion gelten als Institution in Sachen Punkrock und viele junge Punkbands sehen die Band mit dem durchgestrichenen Kreuz als Vorbild. Frühe Alben wie „Suffer“ oder „Against The Grain“ gelten heute als Klassiker und haben die Band zu einem Markenzeichen gemacht. „Früher funktionierte das komplett über die Punk-Szene in Amerika“, erklärt Greg. „Die Leute kamen nicht wegen uns, sondern weil wir Teil einer Szene waren. Heute ist Bad Religion eine Szene für sich selbst. Unsere Fans auf der ganzen Welt scheinen sehr ähnlich zu sein.“
Bad Religion haben eine bewegte Bandgeschichte hinter sich. 1994 wechselte die Band vom Punklabel Epitaph Records, das Gitarrist Brett Gurewitz gegründet hat, zum Major-Label Atlantic Records. Daraufhin verlässt Brett die Band und damit war die Hälfte des Songwriting-Teams von Bord. Ersatz kam von Minor Threat in Person von Gitarrist Brian Baker. „Greg und Brett haben die ganze Drecksarbeit gemacht, bevor ich in die Band gekommen bin. Sie waren im Van unterwegs und haben in den besetzten Häusern gespielt. Als ich zur Band kam, haben sie gerade „Stranger Than Fiction“ aufgenommen. Zu dieser Zeit ging es nur noch um Capuccino und nackte Frauen.“ Mit einem breiten Grinsen fasst Baker die sogenannten Epic-Years von Bad Religion zusammen. Kommerziell erfolgreiche Jahre mit stilistisch eher schwachen Alben. Deshalb war auch Brian heilfroh, als Brett 2001 wieder zurückkehrte. „Bretts Rückkehr war enorm wichtig für Bad Religion, denn damit kam die fehlende Hälfte des Songwriting-Teams zurück“, sagt Brian. „Außerdem hatten wir durch ihn wieder ein Label. Wir können uns also nur bei ihm bedanken. Meine liebsten Bad Religion-Platten haben Greg und Brett zusammen geschrieben, lange bevor ich in der Band war.“ Auch für Brett war die Rückkehr zu Bad Religion eine Erlösung. Denn neben seiner Arbeit als Labelchef von Epitaph wollte er auch selbst kreativ sein und nicht nur die Musik von anderen Bands vermarkten. „Ich habe die Jungs einfach vermisst. Ich hatte ein bisschen Angst, dass ich vielleicht vergessen hätte, wie man Songs schreibt. Aber der erste Song, den ich nach all den Jahren geschrieben habe war „Sorrow“ für das Album „The Process Of Belief“ - einer der besten Songs, die ich je geschrieben habe.“ Nach vier Alben veröffentlichten Bad Religion mit „The Process Of Belief“ wieder bei ihrem früheren Label Epitaph. Zeitgleich kam mit Brooks Wackerman ein neuer Mann am Schlagzeug, den man von Suicidal Tendencies und The Vandals kennt. Er spielte mit der Band vier Alben ein und lernte wie es ist, in einer Band mit einem Wissenschaftler am Mikrofon zu spielen. Denn Greg Gaffin hat vor sieben Jahren seinen Doktortitel in Evolutionsbiologie gemacht und als Dozent schon mehrere Bücher veröffentlicht. „Er ist schon etwas Besonderes“, sagt Brooks und grinst. „Ich kenne keine andere Band, die einen Frontmann mit Doktortitel hat und jeden Tag vor Punkpublikum spielt. Das einzige was nervt, sind die Experimente im Kühlschrank von unserem Tourbus. Erst neulich habe ich ein Affenhirn neben unseren Bierdosen gesehen. Er sollte seine Arbeit einfach zuhause lassen. Haha.“
Die letzten Monate hatte Greg Gaffin wohl nur wenig Schlaf, denn neben seiner Arbeit an der Cornell University in Ithaka im Bundesstaat New York arbeitete der 46-Jährige mit Produzent Joe Barresi (Queens Of The Stone Age, Tool) an den 15 neuen Tracks für „The Dissent Of Man“. „Um fünf Uhr nachmittags gehe ich ins Studio, nachdem ich den ganzen Tag am Campus verbracht habe. Dort arbeite ich dann an den Aufnahmen bis etwa 1 Uhr früh. Am nächsten Morgen stehe ich um 7 Uhr auf, damit ich um 8 Uhr an der Uni bin. Nach dieser Methode sind schon mehr als zehn Alben entstanden. Das bekomme ich ganz gut hin.“ Im Mai feierte die Band ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum und verschenkte ein digitales Live-Album mit Fan-Favoriten und Raritäten. Für Gitarrist Brian Baker sind die 17 Live-Tracks ein Dankeschön an die vielen treuen Fans der Band. „Jeder Bad Religion-Fan konnte sich die Aufnahme eine zeitlang kostenlos herunterladen. Wir haben also lieber selbst Geschenke gemacht, als uns beschenken zu lassen. Eine Torte auf der Bühne gab es nicht, weil wir gemerkt haben, dass diese Kost nicht mehr so gut ist für Männer in unserem Alter.“ Tja, einer Band wie Bad Religion Geschenke zu machen ist ja auch nicht so einfach – quasi wie einem Kind, dass schon alles hat. Sänger Greg Gaffin ist trotzdem bescheiden geblieben. „Als wir die Band gegründet haben, wollten wir nur ein Album machen, dem die Leute Gehör schenken. Wir haben uns nie hochtrabende Ziele gesteckt. Und wenn wir zurückschauen und uns fragen: Was haben wir in all den Jahren erreicht? Dann wissen wir, dass wir eine Menge Fans glücklich gemacht und viele andere Bands inspiriert haben. Das ist für mich immer noch das größte Verdienst.“     WH