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SO WAR: FJØRT, 22.01.18 BEATPOL, DRESDEN

Anlässlich ihres neuen Albums "Couleur" touren die Post-Hardcoreler FJØRT durch Deutschland und Österreich. Obwohl die Gruppe "erst" seit 2012 besteht, spielen die Post-Hardcorler vor ausverkauften Häusern und geben sogar Zusatzshows. Auch ein Stopp in Dresden stand auf dem Konzert-Plan des Aachener Trios... unsere Lea war vor Ort im "Östen".
SO WAR: FJØRT, 22.01.18 BEATPOL, DRESDEN
Foto: Lea Biermann

FJØRT,  Beatpol / Dresden 22.01.18

Eine politische Band, die sich de jure nicht als politische Band deklariert sehen möchte, aber de facto informell für einen Haufen politischer Aussagen steht. Oder eigentlich nur eine, und die heißt: Niemals dran vorbei. Solch eine Band wie Fjørt sie nunmal ist, steht an einem Montagabend im Beatpol in Dresden auf der Bühne, während einige Kilometer entfernt PEGIDA durch die Innenstadt streunt.

Wer sich also an diesem Abend nicht in den Reihen der Gegendemonstration zusammenrottet, steht mit hoher Wahrscheinlichkeit ziemlich weit vorne im Mosh, welcher sich schon bei der Vorband Être formatiert. Schlagzeuger und Gitarrist sind für die pathetischen Shouts zuständig, ein storchiger Lulatsch unterlegt die ruhigeren Intermezzi mit Sprechgesang und insgesamt erinnert die vierköpfige Kombo aus Fulda an eine garagige, deutsche Version von La Dispute. Besonders „Blau auf Blau“ lässt sich auch in der Studio-Version sehr gut und gerne hören und ebnet als letzter Song der Support-Setlist die Wogen für Fjørt, die die Bühne ehrfürchtig erklimmen, nachdem Westernhagens „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ verstummt ist.

Effekt-akzentuierte, epische Gitarrenklänge und vibrierende Basslinien, die man neologistisch fast schon mit fjørtig übersetzen könnte, eröffnen das Set und Nebelmaschinen dünsten die Bühne in paynegrauem Licht ein. Licht- und Tonbrechung bilden bei Fjørt irgendwie immer eine synästhetische, kunstvolle Symbiose und ist kaum wegzudenken aus der Show der Aachener, genauso wenig wie David Frings Appell vor ihrem infamen Song „Paroli“. Jener Appell, der seit Jahren in ähnlichem Wortlaut ausschweifend vorgetragen wird und bedauerlicherweise nicht an Relevanz verliert, besonders nicht in der Stadt, in der „Kälte kocht“.

Neben langjährigen Setlist-Konstanten wie „Paroli“ und „Valhalla“ füllen selbstverständlich Songs des neues Abums „Couleur“ die Lungen des zahlreich erschienenen Publikums. Aber weil ich es allzu persönlich nehme, dass Fjørt noch immer nicht „Glasgesicht“ von ihrer ersten EP „Demontage“ wieder in die Setlist aufgenommen haben, muss so einer grandiosen Show eben doch noch ein Kontra-Argument zur Last gelegt werden.

Lea Biermann