SINGER SONGWRITER / FOLK
BEN & HELEN HARPER
CHILDHOOD HOME
PRESTIGE FOLKLORE / UNIVERSAL
Huch, wie peinlich! Beim flüchtigen Aufklappen des Digipacks
der CD dachte ich mir, „Oh, der junge Ben Harper hat mit seiner
Frau eine Scheibe eingespielt!“. Dann lese ich, dass das seine
Mutter ist! Kann man als Kompliment an sie gelten lassen...
Immerhin hat sie ja zusammen mit seinem Großvater dafür
gesorgt, dass klein Ben eine musikalische Karriere
eingeschlagen hat. Und das ist bisher für Fans von tief in der
amerikanischen Seele verankerten Folk bzw. Americana immer
recht lohnend gewesen. Das Album mit Helen Harper hingegen ist
schon sehr privat. Es geht sehr still und intim zu, weibliche
Leser werden die Scheibe sicher nicht überstehen ohne ein etwas
wehmütiges Tröpfchen Tränenflüssigkeit zu vergießen. So wie da
Sohn und Mutter still und melancholisch auf ganz minimaler
Instrumentierung gebettet vor sich hin musizieren. Sechs Songs
schrieb Ben, vier kamen von Helen, und alle drehen sich ein
bisschen über das Familienleben. Was gibt es schöneres, wenn
die untrennbare Mutter-Sohn-Verbindung sich hier in einem
akustischen Poesiealbum manifestiert, und quasi die halbe
Musikwelt mithören kann? Diese leichte Schmalzigkeit wird aber
andererseits sicher den einen oder anderen Folkfan abschrecken,
der lieber die politisch gefärbte Songwritergilde bei sich
zuhause im Schrank stehen hat. Ganz wichtig bei dieser Platte:
Man musst einfach den Hintergrund kennen, weil man sonst die
sehr puristische Platte viel zu schnell als dröge ablegt. Mit
Hintergrund genossen ist das emotionaler Folk, bei dem
Multi-Instrumentalist Harper sich nur auf zwei Sachen
konzentriert: Seine Gitarre und seine Mutter. Stimmlich hört
man bei Harper ab und zu mal den Cat Stevens durch...
EF
6 von 9 Punkten


