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9. April 2020 , STATTBAHNHOF, Schweinfurt

.rcn präsentiert: 100 KILO HERZ

.rcn präsentiert: 100 KILO HERZ

Freitag, 09.04.2021

Schweinfurt, STATTBAHNHOF

ONLINE VVK: NAVIGATOR PRODUCTIONS

Die sächsische Punkband 100 KILO HERZ hat alle Argumente auf ihrer Seite. Zur neuen Scheibe “Stadt Land Flucht” seit 07.08.2020 berichtet z.b. das Ox, Away From Life oder 3sat Kulturzeit über sie. Sie setzen sich kritisch mit dem Alltagsrassismus im ländlichen Raum auseinander, in dem sie aufgewachsen sind. Der alltägliche Alkoholismus überall ist ebenso ein Thema wie auch die Rolle der Antifa, die Bandmitglieder spielten schon früher in diversen Bands und das Sextett ist u.a. mit Saxophon und Trompete besetzt. Kein Wunder also dass früher oder später mit dem Gebläse der Vergleich Feine Sahne Fischfilet fällt, aber den lassen wir heute mal außen vor. Sehenswerte Band, Leipzig ist außerdem gerade hip!

Wir verlosen 3x2 Karten ab Einsendeschluss Freitag, 02.04.2021

-Direktklick auf  verlosung@rcnmagazin.de (Namen, Betreff 100 KILO HERZ und Telefonnummer für eine spätere Gewinnbenachrichtigung nicht vergessen), Preisfrage (Teilnahme freiwillig, ohne Auswirkung auf Gewinn):  Erreichter oder angestrebter Bildungsabschluß?

INFO:

Bandwebseite:

https://www.100-kilo-herz.com/

 

Video:

100 KILO HERZ "Sowas wie ein Testament" (Official Video)

https://youtu.be/huTgC2OBN0s

 

 

100 KILO HERZ
DAS MIT DEM GEBLÄSE


Die sächsische Punkband 100 KILO HERZ hat alle Argumente auf ihrer Seite. Zur neuen Scheibe “Stadt Land Flucht” seit 07.08.2020 berichtet z.b. das Ox, Away From Life oder 3sat Kulturzeit über sie. Sie setzen sich kritisch mit dem Alltagsrassismus im ländlichen Raum auseinander, in dem sie aufgewachsen sind. Der alltägliche Alkoholismus überall ist ebenso ein Thema wie auch die Rolle der Antifa, die Bandmitglieder spielten schon früher in diversen Bands und das Sextett ist u.a. mit Saxophon und Trompete besetzt. Kein Wunder also dass früher oder später mit dem Gebläse der Vergleich Feine Sahne Fischfilet fällt, aber den lassen wir heute mal außen vor. Sänger RODI hat viel zu erzählen, wir überspringen aber einmal eine Stunde Gespräch und gehen gleich über zum Finale und damit doch wieder zurück zu den Anfängen der Band. Der Song „Tresenfrist“ ist einer der Songs, die neben anderen auch mal relevante, aber gerne weggeschwiegene Themen anpacken.

„In meiner ersten Band waren wir 17 und natürlich haben wir da Bier getrunken. Eher vier als eins, dieses Märchen halt mit trink vor deinem Auftritt, dann bist du lockerer. Das glaubst du nur solange bis du das irgendwann weglässt. Es ist ein langer, harter Prozess, sich mit seiner eigenen Nervosität auseinander zu setzen, aber letztendlich muss man irgendwann darauf verzichten sich zu betäuben. Am Ende ist Alkohol ein Betäubungsmittel, aber es gibt auch andere Wege, Lampenfieber  zu überwinden. Irgendwann den Punkt zu erwischen um sich zu sagen, dass man es auch ohne schafft. Da spielen Adrenalin und Endorphine dann eine Rolle, die auf der Bühne bei dir als Musiker entstehen und auch schön sind, ohne sich davor zu betäuben. Gefühle, die man vorher nicht genießen konnte und tief aus dem inneren kommen.“

Kollege Wolfram bezeichnete den Alkoholismus in der Punkszene in der Rezi zu „Stadt Land Flucht“ im letzten Heft als „oftmals weggelächelt“. Rodi geht da noch weiter. „Es ist krass zu beobachten, dass das Lied in Besprechungen häufig nur reduziert wird auf die Alkoholthematik in der Punkszene. Ich würde sagen Alkohol ist die Volksdroge in diesem Land und sie ist definitiv gesellschaftlich akzeptiert. Deswegen ist sie auch die Gefährlichste, sowohl was die Sterblichkeit der Süchtigen, als auch die Gefährdung von anderen durch zum Beispiel Trunkenheit am Steuer angeht. Was mich anbetrifft: Egal in welchem abgeranzten Punkschuppen wir spielen und ob da alle besoffen sind, ich bin es nicht. Das führt natürlich wahnsinnig oft zu der Situation, dass Menschen mit denen ich mich umgebe enorm alkoholisiert sind und ich in dem Moment stocknüchtern. Du merkst dann wie unangenehm, aggressiv und übergriffig manche Menschen dann werden, auch wenn das nicht auf jeden zutrifft. Das ist einer der Gründe, warum Männer auf Konzerten oft in der Überzahl sind. Als Frau muss ich mir vorher erst einmal Gedanken machen, ob ich in so einer Horde besoffener und schwitzender Typen stehen will, die irgendwann vielleicht unangenehm oder aggressiv werden. Viele Leute merken in diesem Moment den eigenen Kontrollverlust nicht und verlieren den Punkt, an dem sie aufhören sollten zu trinken. Die funktionalen Alkoholiker können nicht einmal eingestehen, dass es ein Problem ist, nebenbei zum Beispiel noch arbeiten zu gehen. Oft fallen Alkoholsüchtige durch latent aggressives Verhalten auf, wenn sie nervös werden, weil z.B. nur noch ein Bier da ist. Das merken oft nur Außenstehende. Sich selbst einzugestehen, dass man ein Suchtproblem hat, ist ein total langer Prozess. Viele brauchen dafür ein halbes Leben oder ein ganz intensives Aufwachereignis. Wenn du Glück hast, wachst du auf dem Boden neben deiner Kotze auf, aber wenn du kein Glück hast kann es sein, dass du ein Kind umfährst, weil du dich doch noch einmal vor das Steuer gesetzt hast und findest dich im Gerichtssaal wieder. Vielleicht hilft es, solchen Leuten ein Lied zu schreiben auf das sie hören. Viele Leute, die die Welt eh schon kritisch betrachten, suchen in Rausch einen Ausweg oder eine Flucht. Es macht halt auch einfach Spaß.“

Rodi ist ein sehr reflektierter Mensch, der auch die auf dem Land oft omnipräsente rechte Szene eher hinterfragt, als sie pragmatisch einfach nur anzuprangern. „Darüber zu wettern ist einfach. Dafür hat ja auch das Internet gesorgt, das selbst im hintersten Winkel angekommen ist und wo sich die Menschen, die dort durch strukturelle Fehler der letzten 20 Jahre einfach abgehängt fühlen, ihre Feindbilder suchen. Fahre da mal mit dem Taxi durch manche Orte, da bekommst du erzählt, wie Arbeitsplätze und Nahversorgung durch Investitionsspielchen in all den Jahren alle platt gemacht wurden. Aus deren Sicht liegt das an den Menschen die neu in dieses Land kommen und alles bekommen. Das ist so in deren Köpfen, weil die AfD und Pegida es ihnen so  gesagt haben. Nicht, dass diese Geflüchten ihr Leben riskiert haben, um aus Krisengebieten mit unhaltbaren Perspektiven zu fliehen um einfach nur ein besseres Leben zu haben. Die haben sich nicht vorgestellt, dass statt Frieden dann da Leute brüllend vor Flüchtlingsheimen stehen und diese im schlimmsten Fall anzünden und im entspannten Fall nur davor stehen und die Leute anpöbeln. Sie wissen nicht, dass in Wahrheit nicht die Pöbler schuld sind, sondern deren Chefs, die halt einfach nur Mindestlohn zahlen wollten, oder die Politik, die dabei wegschaut und damit erst für diese rechten Strukturen gesorgt hat.“

Das ging für Rodi schon früh los. „Ich kenn das noch von uns früher als wir unser erstes Konzert mit unserer Punkband gespielt haben. Das wurde von Nazis überfallen und am Ende wurde von der Lokalpolitik gesagt, dass das alles Leute waren, die nicht von hier sind und von außerhalb kamen. Wir haben dann gefragt woher denn täglich die Aufkleber und Nazischmierereien an Stadtwände kommen. Warum werden alle zwei Wochen die Scheiben vom lokalen Dönermann  eingeschmissen? Wie wird man so? Die meisten Jugendlichen bei uns hatten drei Möglichkeiten. Entweder du gehst abends nicht raus, um sicher zu sein oder du gehst abends raus, auf die Gefahr hin, eins auf die Fresse zu bekommen. Die dritte Option ist, dass dir das drei, vier mal passiert und die Glatzen dich dann fragen, ob du nicht bei ihnen mitmachen willst. So entstehen dann Menschen, die da mitmachen, weil die keine Lust mehr haben was abzubekommen, sondern selber mal austeilen wollen. So haben die teilweise ihr Gefolge rekrutiert, einfach durch Einschüchterung und Gruppenzwang. Um dafür Alternativen und Perspektiven zu schaffen braucht man Geld, aber die lokale Politik muss das Problem dort überhaupt erst einmal anerkennen. Das wäre der erste Schritt.“

Ewald Funk
 

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